Farhaneh und ich

AJAAJA IST IM UMBRUCH.

Noch ist nicht alles fertig. Und klar. Auch steht unterder Rubrik Ajaaja noch das, was wir bisher gemacht haben. Es soll keine Verwirrung stiften, sondern steht dafür, dass wir noch in der Zwischenphase von gestern zu morgen sind.

Und ich danke allen, die uns im Gestern kennen gelernt haben und die viel bei uns erlebt haben dafür, dass sie bei uns waren, dass sie uns ihr Vertrauen geschenkt haben. Aber sie – ihr, die ihr mich kennt, wisst auch, dass es für mich schon immer wichtig war, neugierig zu bleiben und wissen zu wollen, was es noch gibt, das noch gelebt und erfahren werden will. Und auch, dass ich bereit bin, etwas, das für mich Lebensinhalt war und ich aus tiefster Seele getan habe, zu hinterfragen, wenn ich das Gefühl habe, etwas darin ist nicht mehr stimmig. Und darum gehen wir weiter.

Im Moment besteht diese Seite nur aus einer Reihe von Hinweisen auf das Neue, das sich gerade entwickelt. Denn ich, wir, sind noch mit dem Loslassen und Formen beschäftigt. Zunächst also nur eine kurze Bestandsaufnahme. Und ein paar Gedanken, die mich beschäftigen.

Die Frage nach dem Sinn.

Die Sinnsuche ... sie hat mich lange durch's Leben getragen. Dafür bin ich dankbar. Sehr dankbar. Ich denke, die Suche nach dem Sinn hinter vielen schwierigen Lebens-stationen und persönlichen Geschichten, hat mir geholfen innerlich Halt zu finden. Stärke zu gewinnen. Ein Stück weit zu wachsen. Und – ich glaube auch: sie ist etwas sehr Menschliches. Aber: ist sie der Weg zu einem Leben in Freude und Leichtigkeit?

Und – wird sie etwas ändern? Wird das etwas besser machen, meine ich. Für mich, für andere? Alle. Wenn wir darin einen Sinn sehen, dass Dinge schwer sein können?

Oder müssen wir vielleicht ganz anders fragen?

Ich glaube mittlerweile: Ja. Es ist wichtig anders zu fragen.

Damit der gefundene Sinn nicht das Schwere im Nachhinein irgendwie richtig macht. Denn das tut die Sinnsuche. Sie lässt legitim erscheinen, was geschehen ist.

Welchen Sinn möchte ich meinem
Leben geben?

Das ist eine ganz andere Frage. Ich stelle sie mir schon eine Weile. Und obwohl ich weiss, dass Veränderungen nicht leicht sind: ich möchte etwas verändern. Für die Tiere, die Menschen und ihr Zusammenleben. Ob das gelingt, weiss ich nicht. Aber ich möchte dazu beitragen, dass das Angebot zu etwas Anderem da ist. Damit es gesehen wird und passieren kann.

Wie komme ich auf diese Idee? In den letzten Jahren sind mir viele Dinge begegnet, und dazu gehört auch Corona – die mich im Moment zu dem Fazit führen, dass die Menschen aussterben werden, wenn sie ihr eigenes »Tiersein« nicht wiederentdecken.

Die Menschen haben sich so weit entfernt von der Zugehörigkeit zur Gesamtheit der Natur, dass ich es für leicht und wahrscheinlich halte, dass diese uns, als ins Denken entartete überspezialisierte Wesen »abstossen« wird. Nun kann jeder von uns sagen: nach mir die Sintflut. Oder: vermutlich erlebe ich das nicht mehr. Und überhjaupt – was und wie sollten wir das denn ändern können?

Neues Denken.

Ich glaube, dass wir nur etwas ändern können, wenn wir alles, das wir als Menschen  für selbstverständlich halten in Frage stellen.

Dazu gehört auch unser »Podest«, die überhebliche, menschenzentrierte Sicht auf das Leben, die Natur, die Welt. Denn was wir darüber denken ist nichts anderes als menschliche Interpretation. Und dass wir Technologien erfinden können, die uns auf den Mond bringen, heisst nicht, dass wir verstanden haben, wie das Leben und die Natur funktionieren. Sondern es hat dazu geführt, dass wir glauben, wir seien unter den Lebenden etwas Besseres.

Anders fragen.

Bei mir und den Pferden möchte ich anfangen. Ich habe, vor allem in den letzten Jahren geglaubt, dass Pferde Menschen spiegeln. Und dass das auf einem natürlichen Vorgang beruht, den man Projektion nennt. Diesen Vorgang habe ich als Geschenk betrachtet, ich habe auf ihm basierend gecoacht. Denn er hilft uns unser Unterbewusstsein bzw. einen Teil unseres persönlichen Schattens zu verstehen.

Mittlerweile glaube ich nicht mehr, dass es sich bei Projektion um ein Geschenk und einen »natürlichen« Vorgang handelt. Sondern ich glaube, dass die Projektion und die menschliche Neigung zu projizieren nicht nur den Tieren, sondern auch uns Menschen schadet. Sie entsteht durch unsere Abtrennung von der Natur, erst dadurch wird sie nötig. Darum möchte ich nichts mehr tun, dass die Projektion rechtfertigt. Sondern ich glaube, dass es viel hilfreicher ist, wenn Menschen zu ihrer Tierhaftigkeit zurück gelangen, damit Projektion nicht mehr nötig wird. Zum Überleben.

Pferden das Recht auf Augenhöhe zurück geben.

Ja, viele reden von der Augenhöhe mit dem Pferd. Vom Respekt vor dem Pferd. Davon, dass die Pferde unsere Freunde sind, Partner. Wir sprechen von »Liebe«. Noch mehr reden davon, dass wir den Pferden helfen müssen in einer menschlich geprägten Welt zurecht zu kommen.

Nein, wir müssen aufhören, die menschenzentrierte Welt als richtig zu betrachten. Und was heisst denn Liebe und Freundschaft, Augenhöhe, Respekt, wenn das Pferd das alles nur bekommt, wenn es ein gutes Pferd ist. Und funktioniert? So funktioniert, wie WIR Menschen ein gutes Pferd definieren. Es wird einer Kategorie zugeordnet, einer Spezies. Und damit stehen seine Lebenspläne und -aussichten fest. Der Preis dafür ist hoch für das individuelle Pferd. Es muss sein Recht darauf, wie Dinge aus seiner persönlichen Sicht verstanden werden wollen, aufgeben.

Stattdessen wird es Trainings ausgesetzt, weil es ja »etwas lernen muss«, damit es zurecht kommt. Bzw. damit wir mit ihm zurecht kommen. Und der Tierarzt, der Hufschmied usw. Und damit es einen Sinn macht, dass wir es besitzen. Tut es das nicht, bekommt es kurz- oder langfristig ein Problem.

Was hat das mit Liebe, Respekt und Freundschaft zu tun? Sind sie an Funktionieren und einen Nutzen gebunden?

Pferde verstehen lassen.

Dabei können und müssen alle Lebewesen die Welt (eigentlich) auf ihre persönliche Weise erkennen. Sonst gibt es kein echtes Verstehen und sich darin wiederfinden.

Das Verstehen einer Aufgabe im Training ist nicht mehr als eine Konstruktion: Dressur – Konditionierung auf etwas, das andere für richtig halten. Erzeugen und Wiederholen von erwünschtem Verhalten, das nichts über das einzelne Lebewesen aussagt. Trotzdem wird dieses danach bewertet. Sein Charakter wird sogar danach interpretiert. Ob es mit dem, was es so erworben hat in der Natur bestehen könnte,? Das ist eher fraglich. Es kann nicht persönlich reifen, sondern immer nur noch besser werden in der Erfüllung unserer Wünsche. Und ja, wir Menschen gehen miteinander in großen Teilen genauso um.

Neue Antworten.

Niemand hat die Antworten für alle. Wir können nur beginnen die Subjektivität der Antworten als wertvoll zu betrachten. Und versuchen Räume aufzumachen für die individuelle Antwort des Einzelnen. Damit persönliches Erkennen und Verstehen möglich wird.

Das sieht ganz anders aus als Trainings. Es geschieht freiwillig. Und mit für uns Menschen unbemerkten, unverständlichen Aktionen, Erlebnissen, Momenten. Das verlangt, dass wir uns darauf einlassen ohne Bewertung zu beobachten. Beginnen Dynamiken wahrzunehmen und zu fühlen. Ihre Breaks im Geschehen zu erkennen. Und zulassen, dass Lernen durch pferdisch-individuelles Kennenlernen stattfinden kann. Erst dann gelangt das Pferd zu echten Erkenntnissen. Gefühlen. Handlungsoptionen. Und wir? Erleben ziemlich viele Überraschungen, wie klug und selbständig Pferde Dinge in ihren Erfahrungshintergrund integrieren.

Wir können ein Teil dieser, ihrer, persönlichen Entwicklung und ihrer Welt sein. Mit ihnen das Erfahren teilen, auf unsere eigene tierisch schöne Art.

Und meiner Meinung nach können wir erst dann anfangen von Freundschaft, Liebe, Respekt und – vielleicht – Augenhöhe zu sprechen. Denn erst dann stellen wir uns nicht mehr »über« sie.

tbc.