WIR SIND IM UMBRUCH.

Alles, was ihr bis hierhin gelesen habt, gehört zu unserem Alten Leben.

Und ich danke allen, die uns kennen, die viel bei uns erlebt haben dafür, dass sie bei uns waren, dass sie uns ihr Vertrauen geschenkt haben. Und sie – ihr, die ihr mich kennt, wisst, dass es für mich schon immer wichtig war, neugierig zu bleiben und wissen zu wollen, was es noch gibt, das noch gelebt und erfahren werden will. Und auch, dass ich bereit bin, etwas, das für mich Lebensinhalt war und ich aus tiefster Seele getan habe, zu hinterfragen, wenn ich das Gefühl habe, etwas darin ist nicht mehr stimmig.

Und darum gehen wir weiter. Darum besteht diese Seite im Moment nur aus einer Reihe von Hinweisen auf etwas Neues, das sich gerade entwickelt.

Trotzdem lasse ich noch etwas stehen, von dem, was Ajaaja bisher war. Denn noch sind wir, bin ich, mit dem Formen und Loslassen beschäftigt. Nach und nach kommt das Neue. Ob es dann auch ein neuer Name oder »nur« eine neue Ausrichtung sein wird, ist noch nicht entschieden. Zunächst also nur ein kurzer Ausblick.

Die Frage nach dem Sinn.

Die Sinnsuche hat mich lange durch's Leben getragen. Dafür bin ich dankbar.
Sehr dankbar. Ich denke, die Suche nach dem Sinn hinter vielen schwierigen Lebensstationen, Situationen und persönlichen Geschichten, hat mir geholfen sie zu akzeptieren, innerlich Halt zu finden. Ein Stück weit zu wachsen. Und – ich glaube auch: sie ist etwas sehr Menschliches. Aber: ist sie der Weg zu einem Leben in Freude und Leichtigkeit?

Und wird sie etwas ändern? Wird es etwas besser machen, meine ich. Für mich, für andere? Wenn wir darin einen Sinn sehen, dass Dinge schwer sein können?

Oder müssen wir vielleicht ganz anders fragen?

Ich glaube mittlerweile: ja. Es ist wichtig anders zu fragen.

Um nicht das zu sanktionieren, was wir sind, erleben und erlebt haben. Denn das tut die Sinnsuche. Sie lässt legitim erscheinen, was geschehen ist. Wenn ein Sinn darin gefunden wird.

Welchen Sinn möchte ich meinem
Leben geben?

Das ist eine andere Frage. Ich möchte etwas verändern. Etwas neu stimmig machen, das es für mich nicht mehr ist. In den letzten Jahren sind mir viele Dinge begegnet, die mich im Moment zu dem Fazit führen, dass die Menschen aussterben werden, wenn sie ihr eigenes »Tiersein« nicht wiederentdecken.

Die Menschen haben sich so weit entfernt von der Zugehörigkeit zur Gesamtheit der Natur, dass ich es für leicht und wahrscheinlich halte, dass sie uns als ins Denken entartete überspezialisierte Wesen »abstossen« wird. Nun kann jeder von uns sagen: nach mir die Sintflut. Oder: vermutlich erlebe ich das nicht mehr. Und was und wie sollten wir das denn ändern können?

Alles in Frage stellen.

Ich glaube, dass wir nur etwas ändern können, wenn wir alles, das wir für selbstverständlich halten als Menschen in Frage stellen.

Bei mir und den Pferden möchte ich anfangen. Ich habe, vor allem in den letzten Jahren geglaubt, dass Pferde Menschen spiegeln. Dass das auf einem natürlichen Vorgang beruht, den man Projektion nennt. Diesen Vorgang habe ich als Geschenk betrachtet, ich habe auf ihm basierend gecoacht. Denn er hilft uns unser Unterbewusstsein bzw. einen Teil unseres persönlichen Schattens zu verstehen.

Mittlerweile glaube ich nicht mehr, dass es sich bei Projektion um ein Geschenk und einen »natürlichen« Vorgang handelt. Sondern ich glaube, dass die Projektion und die menschliche Neigung zu projizieren nicht nur den Tieren, sondern auch uns Menschen schadet.

Sie entsteht aus unserer Abtrennung von der Natur, erst dadurch wird sie nötig. Darum möchte ich nichts mehr tun, dass die Projektion rechtfertigt. Sondern ich möchte den Schritt davor tun. Zur Tierhaftigkeit des Menschen zurück gelangen, damit Projektion nicht mehr nötig wird.

Projektion bedeutet: vom Schatten eines anderen geritten zu werden.

Menschen projizieren, es ist Teil aller Beziehungen, die sie haben. Ja, das tun sie. Das macht es aber nicht besser. Ich finde, es ist das – oder eins der als heute normal betrachteten menschlichen Phänomene, bei denen wir anfangen müssen, aufzuhören. Um die Welt zu verändern. Statt es, und das ist mein persönliches Fazi, als heilsam oder sinnvoll zu betrachten.

Projektion hat sich entwickelt – weil etwas schief läuft mit der Menschheit. Weil Menschen in einer Gesellschaft aufwachsen, die ihnen beibringt, dass es »richtig und besser für sie ist« nicht ganz sie selbst zu sein. Dadurch ist es »normal« geworden, das zu entwickeln, was wir in der Eponaarbeit das »Falsche Selbst« nennen. Eine antrainierte Persönlichkeit, die wir nach aussen hin zeigen, weil wir glauben, den Rest unserer Eigenschaften, Gefühle und Geschichten verbergen zu müssen. Wir lernen so zu sein, wie wir nach Meinung der Eltern, Schulen, Religionen, Kulturen – der Gesellschaft, in der wir leben – besser zurecht kommen. Man stelle sich nur mal vor, Tiere würden das machen ... (Tja, im Grunde machen und versuchen Tiertrainings nichts anderes.)

Das Versprechen, das damit verbunden wird, ist: so wirst du mehr Erfolg haben, glücklicher sein, weniger Probleme haben. Zur Gemeinschaft beitragen, dein Leben besser machen usw. usw. Nur – das ist nicht wahr. Und sogar Menschen spüren das. Es macht Menschen nicht glücklich, wenn sie immer gut funktionieren. Die heile Welt, die sie so erschaffen können, ist eine Scheinwelt. Unterschwellig wissen wir das alle. Das Ablegen »nicht politisch korrekter« Eigenschaften macht nicht glücklich.

Und das Dumme ist, das Ablegen geht garnicht. Es ist selbst nur Schein statt Sein. Wenn wir Anteile von uns selbst in den Schatten schieben, nicht sehen wollen, werden sie sich quasi über Bande wieder über Projektion in unser Leben schiessen. Unbewusst in der Regel.

Und das macht es noch schlimmer. Denn wir merken nicht mal, wenn es passiert. Schlecht für uns. Und noch schlimmer für andere. Denn das, was wir an uns selbst nicht sehen wollen, schieben wir dem anderen in die Schuhe. Der oder die, auf die wir projizieren, z.B. das Tier ist »schuld«, wir sehen es als sein »Problem« oder was auch immer.

Nun kann man natürlich sagen, das ist eben so. Das ist menschlich. NEIN.

Man kann auch sagen, lass uns das Gute darin sehen. NEIN. Denn auch dadurch wird es nicht besser. Und vor allem: es ändert sich nicht.

Im Gegensatz zu uns Menschen, können Tiere sich gegen Projektion nicht wehren. Bzw. auch wenn sie sich wehren gegen dieses Fremde, das sie steuert, die fremde »Last auf ihrem Rücken«, die Projektion – wir merken am Ende oft nicht einmal, dass das der Grund ist. Es ist so viel einfacher zu glauben und zu sagen: der oder die ist eben schwierig. Oft genug Grund für neue Trainings, die abhelfen sollen. Nur dass die Trainings noch öfter nichts nutzen. Nichts nutzen können. Denn es gehört ja nicht zum Pferd was abtrainiert werden soll. Nur bei sich selbst nachzusehen ist umso schwieriger, je heftiger das Thema im Schatten. Und die Widerstände dagegen sind zahlreich und kraftvoll. ...

Ich bin es so müde, das immer wieder mitzuerleben. Und es macht mich unglaublich traurig.

Wieviele Problempferde und gut funktionierende »erzogene«  Pferde sind in Wahrheit gepeinigt von den Projektionen ihrer Reiter, Besitzer, Pfleger? Pferde sind keine Menschen. Projektionen allerdings sind menschlich und für Pferde nicht artgerecht, um einmal dieses Reizwort zu benutzen. Und – Projektionen zu tragen ist extrem anstrengend.

Aber so viele Pferde tun es. Sie tragen uns doch mit unserem Schatten, sie ertragen das Fremde auf ihrem Rücken und in ihrem Körper, ihrer Energie, ihren Gefühlen, Verhaltensweisen. Gibt uns ihre Duldsamkeit das Recht dazu, so weiter zu machen? Meine Antwort ist: NEIN.

Pferden das Recht auf Augenhöhe zurück geben.

Viele reden von der Augenhöhe. Vom Respekt vor dem Pferd. Davon, dass die Pferde unsere Freunde sind, Partner. Wir sagen, wir »lieben« sie. Noch mehr reden davon, dass wir Pferden helfen müssen in einer menschlich geprägten Welt zurecht zu kommen. Aber was heisst denn Liebe und Freundschaft, Augenhöhe, Respekt, wenn das Pferd das alles nur bekommt, wenn es funktioniert? So funktioniert, wie es für uns sinnvoll ist. Wenn es versteht, wie es sich verhalten soll, damit wir Liebe, Zuneigung und Freundschaft empfinden können.

Einmal abgesehen davon, dass es in der menschlichen Welt untereinander auch so zugeht ... Lassen wir denn dem Pferd die Chance seine eigene Art des Verstehens und Erkennens – von Sinnhaftigkeit – zu leben? Ohne dass wir entscheiden, wie das sein soll?

In vielen Pferdetrainings wird gesagt: das Pferd hat ja die Wahl sich zu ent-

scheiden. Zwischen Optionen, die wir vorgeben? Weil wir wissen, wie es sein soll? Unfreiwillig wird es Trainings (und auch Coachings) ausgesetzt, weil es ja was lernen muss, damit es zurecht kommt. Mit dem Tierarzt, dem Hufschmied usw. usw. Denn wenn es das nicht tut, bekommt es kurz- oder langfristig ein Problem. Statt dass wir die Art und Weise, wie das mit dem Tierarzt, Hufschmied usw. läuft, hinterfragen ...

Am Ende wird all das dann noch dadurch gerechtfertigt, dass wir ja seinen Kaufpreis und sein Leben bezahlen. Im Gegenzug kann es ja dann »etwas für uns tun«. Das aber ist ein Deal – keine Liebe, Freundschaft. Oder Augenhöhe. Respekt. Sondern: ein Deal, bei dem das Pferd gar keine Wahl hat.

Pferde verstehen lassen.

Dabei können Pferde die Welt auf ihre pferdische Weise erkennen. Sie sieht anders aus als Trainings, die von Menschen erfunden und beurteilt werden. Sie geschieht freiwillig. Mit Erkenntnissen. Gefühlen. Handlungsoptionen. Pferde lernen voneinander, von anderen Spezies. Von uns. Wir sollten das nicht steuern. Nur dann können sie wachsen, reifen, ihre Welt erweitern, sie selbst werden. Und wir Menschen können ein Teil ihrer Welt sein. Mit ihnen das Leben teilen, auf unsere eigene tierisch schöne Art.

tbc.